HAUSFÜHRUNG #26, Juli 2026
Kunstbetrachtung
The Art of Two - Künstlerpaar Vorstellung
In unserem 26. Newsletter werfen wir einen genaueren Blick auf das Künstlerpaar Soufia Erfanian und Tirdad Hashemi aus der aktuellen Ausstellung "The Art of Two - Between Autonomy and Collaboration” in der wir Werke von 19 Künstlerpaaren vorstellen.
Ich blühe dort, wo du mich hältst
Wachsen und Gedeihen ist kein einsamer Vorgang. Jede Pflanze braucht Licht, Wasser und einen Boden, der sie trägt. Vielleicht ist es mit Menschen nicht anders. Auch wir brauchen Beziehungen, die uns nähren, Gemeinschaften, die uns auffangen, und Menschen, die an uns glauben. Diese Vorstellung von Fürsorge bildet den Ausgangspunkt von Soufia Erfanian und Tirdad Hashemi in ihrer gemeinsamen Arbeit Ich blühe dort, wo du mich hältst.
Seit 2021 entwickeln die beiden Künstler:innen Zeichnungen, die aus Vertrauen, gegenseitigem Zuhören und dem Mut entstehen, die eigene Handschrift miteinander zu teilen. Wer welche Linie gesetzt hat, bleibt bewusst offen. Aus zwei Positionen wächst eine gemeinsame Bildsprache.
Ausstellungsansicht: Soufia Erfanian und Tirdad Hashemi. Fotos: Michael Lüder.
Leuchtende Blumen ziehen den Blick an und füllen das Papier mit Farbe und Bewegung. Zwischen ihnen tauchen kleine Szenen auf: Menschen, die sich verletzlich zeigen in ihrer Einsamkeit, oder sich liebevoll Trost spenden.
Erfanians und Hashemis Werke entstehen aus persönlichen Erinnerungen, individuellen Erfahrungen von gesellschaftlichen Wirklichkeiten und Erlebnissen der Gegenwart. Sie erzählen keine lineare Geschichte, sondern davon, dass Erinnerung nie stillsteht, dass sie sich mit jeder Erfahrung neu schreibt. Vergangenes verschwindet nicht, sondern begleitet uns, manchmal als Last, manchmal als Kraft, aus der Neues wachsen kann.
In den gezeichneten Blumen spiegeln sich jene Zyklen des Wachstums, des Vergehens und der Erneuerung, die auch die Zusammenarbeit der beiden Künstler:innen prägen. Erfanian und Hashemi verstehen ihre gemeinsame Arbeit als gelebte Fürsorge. Das Zeichnen wird zu einer Form des Teilens - von Erinnerungen, Zeit und Verantwortung. In einer Welt, die von Krisen und Verlust geprägt ist, wird Fürsorge zu einer stillen, aber entschiedenen Form des Widerstands. Ihre Arbeiten schaffen Räume, in denen Verletzlichkeit sichtbar sein darf und Intimität als verbindende Kraft erfahrbar wird.
Damit fügen sich ihre Werke auf besondere Weise in die Ausstellung "The Art of Two - Between Autonomy and Collaboration" ein.
Ihre gemeinsame Handschrift macht sichtbar, wie sich Autonomie und Verbundenheit nicht ausschließen, sondern bedingen.
Zusammenarbeit bedeutet hier nicht nur, gemeinsam etwas zu schaffen, sondern Raum füreinander zu öffnen.
Ich blühe dort, wo du mich hältst, 2026, Mischtechnik auf Papier, Collage, Courtesy of the artist.

