HAUSFÜHRUNG #24, Mai 2026
Kunstbetrachtung
The Art of Two - Künstlerpaar Vorstellung
Zwei Positionen, zwei Perspektiven, ein gemeinsamer Dialog: In unserer 24. Online-Hausführung werfen wir einen genaueren Blick auf Franziska Klotz und Michael Wutz aus der aktuellen Ausstellung „The Art of Two“.
Franziska Klotz und Michael Wutz
Franziska Klotz arbeitet "unmittelbar", malt mit Fingern und der Handfläche, sie drückt, reibt und verstreicht die Farbe. Klotz arbeitet häufig mit einer sehr körperlichen, pastosen Malweise – dicke Farbschichten, starke Materialität und oft ein Spannungsverhältnis zwischen Figuration und Abstraktion. Inhaltlich kreisen ihre Bilder oft um gesellschaftliche Zustände, psychische Spannung, Verletzlichkeit und unterschwellige Gewalt oder Überforderung. Vor allem in ihren neueren Arbeiten verschränken sich individuelle Erfahrungen mit politischen und gesellschaftlichen Eindrücken. Dabei entstehen Bildwelten, die sich jeder eindeutigen Illustration entziehen. Statt linearer Erzählungen schaffen ihre Werke emotionale Spannungsräume zwischen Aggression und Sinnlichkeit.
Michael Wutz beschäftigt sich in seiner Serie von kleinformatigen Aquarellen mit den Bildwelten digitaler Selbstinszenierung und deren politischen und gesellschaftlichen Bedeutungen. Ausgangspunkt ist ein urban-ethnologisches Archiv von Selfies und Darstellungen aus radikal-subkulturellen Milieus, in denen Selbstdarstellungen zu propagandistischen Ikonen werden. In seinen Arbeiten untersucht Wutz die „Bildmagie“ dieser Memes und die Ästhetisierung von Politik: Maskierungen, Symbole von Macht und digitale Bildcodes erscheinen dabei als Ausdruck gesellschaftlicher Verwerfungen und kollektiver Projektionen.
Gemeinsam leben und arbeitet das Künstlerpaar in Berlin, wo der ständige Austausch über Kunst, Politik und urbane Bildkulturen ihre jeweiligen Arbeiten maßgeblich prägt. Während Wutz sich über Objekte und historische Spuren der Vergangenheit nähert, untersucht Klotz stärker emotionale und gesellschaftliche Zustände der Gegenwart. Beide verbindet jedoch ein ausgeprägtes Bewusstsein für Materialität — für die Frage, wie sich Erfahrung, Erinnerung und Geschichte in Dinge und Bilder einschreiben.
Vgl. De Gregio, Lea: Der Hausbesuch - Eat. Paint. Love. 2022 Taz-online.
Franziska Klotz: Großes Fressen, 2026 & Theodor / Der Besuch, 2025, Öl auf Leinwand, Courtesy of the artist and Galerie Kornfeld, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Michael Wutz: Serie: Aschermittwoch, 2026, Tusche auf Papier, Courtesy of the artist and Galerie Galerie Friese. Foto: Michael Lüder

