HAUSFÜHRUNG #23, April 2026
Einblick in das Gemäldedepot
Manfred Bartlings „Ohne Titel“ (1964): ein Gesicht aus Form und Farbe
Das Gemälde „Ohne Titel“ (1964) von Manfred Bartling zeigt ein stark abstrahiertes Gesicht in leuchtenden Blau-, Gelb- und Orangetönen. Die Formen sind reduziert und wirken beinahe spielerisch zusammengesetzt: Ein großes Auge steht im Mittelpunkt, darunter ist ein deutlich hervorgehobenes Ohr zu erkennen. Die Gesichtszüge entstehen vor allem durch kräftige Farbfelder und geschwungene Linien, wodurch das Gesicht zugleich klar erkennbar bleibt und doch Raum für eigene Deutungen lässt.
Um das Gesicht legt sich eine spiralartige Bewegung aus dunklen blauen Punkten und Linien, die an eine Haarsträhne, eine Kette oder eine ornamentale Verzierung erinnern kann. Der Hintergrund in Blau- und Grüntönen ist mit kleinen hellen Punkten durchsetzt und verleiht dem Bild eine leichte, fast nächtliche Atmosphäre. Durch die intensive Farbigkeit und die rhythmische Anordnung der Formen entsteht ein lebendiger, beinahe musikalischer Eindruck.
Manfred Bartling (1938–2020) war Künstler und gemeinsam mit Elisabeth Bartling Gründer der Asyl der Kunst Stiftung, die 1999 ins Leben gerufen wurde. Mit der Stiftung schufen sie einen Ort, an dem Kunst bewahrt, gezeigt und erlebt werden kann. Ein Anliegen, das bis heute weitergetragen wird.
Manfred Bartling, Ohne Titel, 1964, Öl auf Leinwand. Ausstellungsansicht im Haus. Kunst. Mitte.

